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Ses Salines: Mallorcas 2.400 Jahre alte Salinen werden noch immer von Hand bewirtschaftet
Fährt man südlich von Campos, flacht die Landschaft zu etwas ab, das man auf Mallorca nicht erwartet: kilometerweite, flache, geometrische Becken, manche himmelblau, manche zart rosa gefärbt, gesäumt von weißen Kristallbergen. Das ist Ses Salines, die Salinen, die der gleichnamigen Gemeinde im Südosten der Insel ihren Namen gaben. Bewirtschaftet wird hier ununterbrochen seit punische Händler im 4. Jahrhundert v. Chr. die ersten Kanäle anlegten. Später schätzten römische Händler dieses Salz so sehr, dass es per Schiff durchs gesamte Mittelmeer transportiert wurde. Bemerkenswert ist nicht nur das Alter dieses Ortes, sondern dass die Ernte noch weitgehend so abläuft wie eh und je – und man kann dabei zusehen.
Eine lebendige Industrie, kein Museum
Salines de Llevant, das Unternehmen, das die Salinen bei Es Trenc heute betreibt, führt seine formalen Wurzeln auf das Jahr 1850 zurück, als die Salzgewinnung hier erstmals industrialisiert wurde. Doch die zugrundeliegende Technik reicht viel weiter zurück, und ein Großteil davon hat sich nicht verändert. Meerwasser wird über einen rund zwei Kilometer langen Kanal eingeleitet und durch eine Abfolge flacher Verdunstungsbecken geführt, die man vor Ort cuarteradas nennt. Die Mittelmeersonne und der Tramuntana-Wind erledigen den Rest: Sie konzentrieren die Sole, bis sich Kristalle an der Oberfläche bilden und sich am Beckenboden absetzen.
Thinking about buying or selling in Mallorca?
Die Ernte fällt in den Spätsommer, meist im September, wenn das Wasser so weit verdunstet ist, dass eine dicke Salzkruste zurückbleibt. Ein großer Teil davon wird noch immer von Hand geharkt und zusammengetragen, aufgehäuft zu jenen blassen, schneeähnlichen Bergen, die zu einem der meistfotografierten Motive dieses Küstenabschnitts geworden sind. Die feinsten, zartesten Kristalle werden separat abgeschöpft und als Flor de Sal d'Es Trenc verkauft, ein Gourmetprodukt, das mittlerweile weit über die Insel hinaus in Küchen zu finden ist.
Warum die Salinen noch immer zählen
Ses Salines produziert jährlich etwa zehn- bis fünfzehntausend Tonnen Salz – nach industriellen Maßstäben eine bescheidene Menge, aber genug, um diesen Ort zu einem der letzten noch aktiven traditionellen Salzbetriebe der Balearen zu machen. Die Salinen liegen innerhalb des Parc Natural de Es Trenc-Salobrar de Campos, eines geschützten Feuchtgebiets, das Flamingos, Reiher und durchziehende Watvögel anzieht, die von dem flachen, mineralreichen Wasser angelockt werden. Vogelbeobachter entdecken hier regelmäßig Arten, die auf ihrem langen Zug zwischen Afrika und dem europäischen Festland Rast machen – die Salinen erfüllen also gleich zwei Funktionen: als wirtschaftliches Gut und als funktionierendes Ökosystem zugleich.
Auch archäologische Funde untermauern diese lange Geschichte. In der Nähe weisen die talayotische Siedlung Els Antigors und Bauwerke wie Talaia Joana auf bronzezeitliche Gemeinschaften hin, die den Wert dieser Küste lange vor der Ankunft der Römer erkannten. Ses Salines wurde erst vor etwas mehr als einem Jahrhundert, 1925, als eigenständige Gemeinde von der Nachbargemeinde Santanyí abgetrennt – doch der Ort selbst prägt Leben und Handel hier schon seit weitaus längerer Zeit.
Die Salinen besuchen
Man braucht keine Führung, um Ses Salines zu schätzen, auch wenn sich ein Halt im kleinen Salzladen bei den Salinen lohnt, wenn man eine Tüte Flor de Sal mit nach Hause nehmen möchte. Die Salinen liegen nur eine kurze Fahrt vom Strand Es Trenc und von Colonia de Sant Jordi entfernt, weshalb die meisten Besucher den Ausflug mit einem Bad oder einem Fischessen verbinden. Am schönsten zeigen die Becken ihre Farbe im frühen Morgen- oder späten Nachmittagslicht, und der September, der Erntemonat, ist die Zeit, in der die weißen Salzberge am eindrucksvollsten wirken.
Auch das Dorf Ses Salines selbst lohnt einen ruhigeren Blick: eine kompakte Ortschaft im Landesinneren mit Steinhäusern und Markt am Donnerstag, ganz ohne den polierten Charme der Ferienorte weiter nördlich. Es ist ein Ort, der einen gemächlichen Nachmittag belohnt, statt nur eine einzige Sehenswürdigkeit abzuhaken.
Die Verbindung zum Südwesten
Ses Salines liegt weit außerhalb des Kerngebiets von Imperial Properties rund um Santa Ponsa und Calvià, doch genau solche Orte erklären, warum sich Menschen in Mallorca verlieben – weit über Beachclubs und Yachthäfen hinaus. Der Reiz der Insel beruhte schon immer auf diesem Kontrast: anspruchsvolles Küstenleben im Südwesten, gepaart mit Orten echter, gelebter Geschichte wie diesem, eine Autostunde entfernt. Wer überlegt, in welcher Region der Insel man kaufen sollte, sollte sich beide Seiten ansehen, bevor er sich entscheidet.