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Der Sineu-Markt: 700 Jahre Handel im Herzen der Insel
Jeden Mittwochmorgen füllt sich das ruhige Hügeldorf Sineu mit Lärm. Bauern stellen Kisten mit Tomaten und Kapern auf, Marktstände zeigen Lederwaren und Keramik, und irgendwo nahe dem Kirchplatz wechseln noch immer lebende Hühner und Ziegen den Besitzer, genau wie seit Jahrhunderten. Sineu liegt fast genau in der Mitte der Insel, etwa 30 Kilometer von Palma entfernt, und sein Markt ist der älteste durchgehend bestehende Markt Mallorcas.
Ein Königliches Privileg, das Nie Erloschen Ist
Die Wurzeln des Marktes reichen bis ins Jahr 1306 zurück, als König Jaume II. von Mallorca Sineu das Privileg des Mercadal verlieh und damit dessen wöchentliche Handelsrechte formell begründete und schützte. König Peter der Zeremoniöse bestätigte dieses Privileg sechzig Jahre später, 1366, erneut. Damit ist der Markt über 700 Jahre alt, und anders als die meisten mittelalterlichen Institutionen hat er nie ausgesetzt. Sineu selbst diente im 13. Jahrhundert kurzzeitig als Hauptstadt der Insel, als König Jaume II. dort einen Palast errichten ließ, ein Detail, das immer wieder überrascht, wenn man Palma für das einzige historische Machtzentrum der Insel hält.
Heute erstrecken sich die Marktstände über den Kirchplatz, die Plaça Es Fossar und die angrenzenden Straßen, etwa von 8 bis 13 Uhr. Als einziger Markt Mallorcas werden hier weiterhin lebende Nutztiere neben Obst, Gemüse, Käse, Korbwaren und Kleidung gekauft und verkauft, ein Detail, das ihn von jedem anderen Markt der Insel unterscheidet und ihn direkt mit seinem ursprünglichen Zweck verbindet: den landwirtschaftlichen Gemeinden des Pla, der Ebene zwischen Mallorcas beiden Gebirgszügen, zu dienen.
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Was an Einem Mittwoch Wirklich Passiert
Der Markt ist nicht für Besucher inszeniert, und genau das macht die Anfahrt lohnenswert. Die Händler kennen ihre Stammkunden beim Namen, und das Angebot spiegelt wider, was in dieser Woche tatsächlich im umliegenden Umland angebaut und aufgezogen wurde, statt einer für Touristen zusammengestellten Auswahl. Neben frischen Produkten gibt es Stände mit Kapern, Oliven, lokalem Käse, Leinenwaren, Körben und Lederwaren, und mehrere Bars rund um den Platz servieren ein deftiges Frit mallorquí, ein traditionelles Gericht aus gewürfeltem Innereien, Kartoffeln und Gemüse, als frühes Frühstück für alle, die schon seit Marktöffnung unterwegs sind.
Einmal im Jahr, am ersten Mittwoch nach dem ersten Sonntag im Mai, weicht der reguläre Markt der deutlich größeren Sa Fira de Sineu, einem Jahrmarkt, der 1318 durch ein eigenes königliches Privileg begründet wurde und weit über das übliche Marktgebiet hinausreicht und Besucher von der ganzen Insel anzieht.
Anreise Ohne Umstände
Der einfachste Weg, Sineu mittwochs zu erreichen, ist der Zug. Serveis Ferroviaris de Mallorca betreibt eine direkte Linie ab Palma mit Halt am Bahnhof Sineu, die Fahrt dauert etwa 40 bis 50 Minuten und ist so getaktet, dass Marktbesucher pünktlich zum Ansturm um 8:30 Uhr ankommen. Es lohnt sich, vor der Fahrt den aktuellen SFM-Fahrplan zu prüfen, da sich die Abfahrtszeiten saisonal ändern. Auch die Anreise mit dem Auto ist unkompliziert und bietet mehr Flexibilität, falls im Anschluss weitere Dörfer im Landesinneren besucht werden sollen, doch die Parkplätze rund um die Altstadt sind schnell belegt, sobald der Markt in vollem Gange ist, und die umliegenden Straßen werden entsprechend voll.
Warum Sineu Weiterhin Zählt
Für Bewohner des Südwestens zeigt Sineu eine wirklich andere Seite der Insel als die Küste: kein Strand, keine Hotelsaison, nur ein aktives landwirtschaftliches Dorf, das zufällig einen der am längsten bestehenden Wochenmärkte Europas beherbergt. Es ist eine Erinnerung daran, wie sehr Mallorcas Identität im Landesinneren geprägt wurde, lange bevor der Tourismus die Küste veränderte, und der Markt ist noch immer sehr lebendig, statt hinter Glas konserviert zu sein. Wer bisher nur die Yachthäfen und Küstenorte des Südwestens kennt, schuldet sich selbst einen Mittwochmorgen mitten auf der Insel.